Südlich des Erechtheions und nördlich des Parthenons auf der berühmten Athener Akropolis befinden sich die Überreste des sogenannten ‚alten Tempels‘ der Athene Polias – der Stadtgöttin und Schutzpatronin Athens. Es handelt sich um das älteste bekannte Heiligtum auf dem heiligen Felsen, das im 6. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde, wahrscheinlich an der Stelle eines noch früheren Tempels aus geometrischer Zeit und sogar über einem mykenischen Palast. Im Jahr 480 v. Chr. wurde der Tempel beim persischen Angriff zerstört, doch man begann rasch mit Reparaturen. Einige seiner Bauteile sind heute noch in den Mauern der Akropolis zu erkennen. Nach einem weiteren Brand im Jahr 406 v. Chr., kurz nach der Fertigstellung des Erechtheions, wurde der Tempel jedoch nicht wieder aufgebaut. Östlich der Ruinen weisen einige Einschnitte im Fels auf die Stelle des Altars der Athene hin – ein Ort, der gleichzeitig mit dem Tempel genutzt wurde und einst Schauplatz religiöser Zeremonien war.“ „Der antike Tempel war ein dorischer Peripteros – also ein Bau mit Säulen ringsum – mit sechs Säulen an den Schmalseiten und zwölf an den Längsseiten. Im Inneren war seine Architektur durchaus ungewöhnlich. Der östliche Teil bestand aus einer Vorhalle (Pronaos) mit zwei Säulen zwischen den Anten und einer Cella (Naos), die durch zwei Säulenreihen in drei Schiffe unterteilt war. In diesem Raum wurde das hölzerne Kultbild der Göttin Athene aufbewahrt – das berühmte Xoanon. Der westliche Teil des Tempels bestand aus drei separaten Räumen, die verschiedenen Gottheiten gewidmet waren: Poseidon-Erechtheus, Hephaistos und Butes. Dem Tempel werden auch die Marmorgiebel mit Darstellungen der Gigantomachie zugeschrieben, die heute im Akropolis-Museum zu sehen sind. Ebenso die kunstvoll verzierte Traufe (Sima), die mit Löwen- und Widderköpfen endete. Metopen, Gesimse und Dachelemente wie Ziegel wurden aus feinstem parischem Marmor gefertigt, während der restliche Bau hauptsächlich aus Kalkstein bestand. Das Heiligtum wurde 1885 freigelegt, und der deutsche Archäologe Wilhelm Dörpfeld war der Erste, der das Monument identifizierte. Heute sind nur noch die Fundamente an der Südseite des Erechtheions sichtbar. In unmittelbarer Nähe lassen sich zudem zwei steinerne Säulenbasen aus einem früheren geometrischen Tempel erkennen.“
ΠΗΓΗ:http://odysseus.culture.gr/ Συντάκτης Ιωάννα Βενιέρη, αρχαιολόγος